Helga's Atelier

   Morgen wieder. Morgen wieder - das sagte ich mir schon als junge Frau, als berufstätige Mutter von zwei Söhnen. Damals wie heute war ich, wenn ich nur konnte, mit meinem Lebensbegleiter unterwegs. Wir waren unterwegs auf den Bergen, in Wäldern, an Küsten. Wir liebten die Einsamkeit, schienen ein unzertrennliches Paar zu sein.

Morgen wieder, so sagte ich, wenn mir ein graues Firmament entgegen schlug, wird vielleicht der Himmel so aussehen, als sei er für mein Objektiv wie gemalt mit seinen bunten, unwiderstehlichen Farben. Licht.

Dabei zog kein Mensch mit mir durch die Lande. Es war meine Kamera, die mich unentwegt begleitete - auf der Suche nach dem Licht, nach unberührten Augenblicken die der Himmel in seltenen Momenten in der menschlichen Zivilisation irgendwann freigab. Irgendwie war ich in vergangenen fünf Jahrzehnten oft unbemerkt auch auf der Suche nach meiner selbst - nach meiner Biografie, meiner Identität, die hinter dm Licht zu schlummern schien.

  Schon als junges Mädchen war mir die unendliche Weite stiller Landschaften nah, sehr nah, irgendwie schon ein Teil meiner selbst. Es waren mein Vater Johann Gottlieb und meine Großmutter Auguste, die mir mit ihren wehmütigen Schilderungen über Wanderungen in den Weiten von Masuren die vielschichtige Farbenpracht, Seen und Gehöfte eines urbanen Daseins mit auf den Weg gaben. Ich konnte nicht ahnen, dass diese Lebensweise für mich in Schleswig Holstein seine Entsprechung fand. Es sind Momentaufnahmen. Fotografien sollen mich begleiten. Wenn nicht heute, dann morgen wieder.

Morgen wieder. Das dachte ich nicht nur als junge Frau. Das denke ich auch in meinen späteren Jahren fortan.

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